Resilienz – Krisen meistern mit innerer Widerstandskraft
Vortrag Dagmar Pitters

Das Geheimnis innerer Stärke ist keine Gabe, die ausschließlich genetisch vererbt wird. Es ist auch ein Irrglauben, das Resilienz durch Verhaltenstraining erreicht werden kann. Psychische Widerstandskraft ist vielmehr eine Frage der Haltung gegenüber dem Leben, den Menschen und letztendlich sich selbst gegenüber. Studien haben gezeigt, dass es in erster Linie nicht die Schicksalsschläge oder Probleme selbst sind, die über ein gelungenes erfülltes Leben entscheiden. Vielmehr ist entscheidend, wie Men-schen mit den Widrigkeiten die ihnen begegnen umgehen. Welche Haltung sie verinnerlicht haben, welche Glaubenssätze ihr Leben bestimmen und welches Rüstzeug Sie in ihrem „Lebenskoffer“ haben. Ob Sie an einer Krise zerbrechen, oder diese bewältigen und sogar gestärkt daraus hervorgehen, hängt maßgeblich davon ab, wie resilient Sie sind.

Jahrelang hat sich die Psychologie damit beschäftigt, was Menschen seelisch krank macht. Seit einigen Jahren richtet sich der Fokus zunehmend darauf, welche Faktoren für Menschen entscheidend sind, gesund zu bleiben. Durch neuste Erkenntnisse der Hirn- und Stressforschung, lassen sich viele neurobiologische Abläufe im Gehirn nachweislich sichtbar machen und bieten so die Möglichkeit, ein ganzheitliches Verständnis über die Wechselwirkung von neurobiologischen Prozessen auf Körper, Geist und Seele zu gewinnen. Und hieraus Handlungsmodelle zu entwickeln. Resilienz trägt aus meiner Sicht jeder in sich und hat mit Sicherheit auch schon viele Lebenssituationen gemeistert. Resilienz ist aber immer wieder ausbaubar und als ein lebenslanger Prozess zu verstehen. Denn psychische Widerstandkraft ist nicht nur bei Schicksalsschlägen erforderlich.  Vielmehr müssen wir Menschen im Laufe unserem Leben lernen, mit ganz vielen Veränderungen umzugehen. Widrigkeiten und Krisen sind eine natürliche Zugabe des Lebens. Krankheiten, Behinderung, älter werden oder der Tod eines geliebten Menschen fordern uns immer wieder heraus, einen Umgang mit unabänderlichen Situationen zu finden.

Eltern die ein Kind mit Behinderung haben sind häufig und über lange Zeit immer wieder gefordert, mit belastenden Situationen umzugehen. Und sie sind immer wieder Systemen ausgesetzt, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren und Fremdbestimmung für zusätzliche Belastung sorgen. Hier ist jede Menge Widerstandskraft notwendig um den täglichen Anforderungen gerecht zu werden und auf lange Sicht gesund zu bleiben. Resilienz hilft uns aber auch, dem Alltag im 21. Jahrhundert zu begegnen. Trotz zunehmenden Wohlstand und vieler technischer Errungenschaften, die unser Leben erleichtern, fühlen sich viele Menschen ständig unter Druck. Resilienz als zentrale Kraft im Leben lässt sich immer wieder erweitern und es macht aus meiner Sicht auch Freude, seine Autonomie und Lebenskraft auszubauen. Sich an bewährten Resilienzschätzen im Lebenskoffer zu erfreuen und diese vielleicht noch zu erweitern. Vielleicht alte Dinge aus dem Lebenskoffer rauszuschmeißen um Platz für Neues zu schaffen. Es gibt mittlerweile viele gute Bücher zu dem Thema Resilienz. Aber auch Seminare geben Anregungen, welche Kompetenzen zum Ausbau persönlicher Resilienz erforderlich sind.

Studien belegen, dass sieben Schutzfaktoren als wesentlicher Bestandteile von Resilienz, die sich wechselseitig beeinflussend, maßgeblich sind. Hierzu gehören drei Grundhaltungen wie: Optimismus, Akzeptanz und Lösungsorientierung. Vier Fähigkeiten sind erforderlich: Sich selbst regulieren, Verantwortung übernehmen, Beziehungen gestalten und Zukunft gestalten. Es gibt Wege diese Grundhaltungen und Fähigkeiten auszubauen. Alles beginnt mit dem ersten Schritt!